Saudi-Arabiens Exportschlager: Der radikale Wahhabismus

Seit Jahrzehnten unterstützt Saudi-Arabien weltweit den Wahhabismus. Ein neues Buch zeigt die Gefahren deutlich auf.

Saudi-Arabien ist eine reiche Ölnation. Ein anderes Exportgut der Golfnation sei jedoch weit explosiver, sagt Terence Ward. Es ist der Wahhabismus, die Staatsreligion von Saudi-Arabien, die Terrorgruppen wie Boko Haram, Al-Shabab, Al-Kaida und dem Islamischen Staat (IS) als Grundlage diene.

Laut der globalen Terrorismus-Datenbank des King’s College in London sind denn auch wahhabitisch inspirierte Terrorgruppen für mehr als 94 Prozent aller Todesopfer bei islamistischen Terrorangriffen seit 2001 verantwortlich. «Alle diese Gruppen hatten eine Verbindung zu Saudi-Arabien. So verbrannten IS-Terroristen Schulbücher in syrischen Schulen, um dann Bücher aus Saudi-Arabien zu importierten», sagt Ward.

«Der Wahhabi-Code – wie die Saudis Extremismus in der Welt verbreiten», heisst sein jüngstes Werk. Der US-Amerikaner ist in Saudi-Arabien, Iran und Ägypten aufgewachsen, Autor mehrerer Bücher und Mitglied des angesehenen Nahostinstituts in Rom und der Weltreligionskonferenz für Frieden.

«Saudi-Arabien hat in den letzten 30 Jahren zehn Milliarden Dollar ausgegeben, um seine radikale, intolerante Staatsideologie in der Welt zu verbreiten», so Ward. Mit dem Geld werden Moscheen und Koranschulen gebaut und Imame unterstützt.

Beinahe 700 Millionen Wahlkampfspende

Indonesien sei eines der Projekte von Saudi-Arabien, in welchem man den Einfluss des Wahhabismus sehr gut beobachten könne, meint SRF-Korrespondentin Karin Wenger. «Saudi-Arabien gewann nach dem Fall von Diktator Suharto in Indonesien 1998 und nach der demokratischen Öffnung an Einfluss.» Mit dem saudischen Geld wurden Moscheen gebaut, Pilgerreisen finanziert oder Stipendien vergeben.

Die Liste des saudischen Einflusses lässt sich beliebig erweitern. «In Malaysia hat der abgewählte Premierminister Najib Razak zugegeben, für seine Wahlkampagne eine Spende von fast 700 Millionen Dollar vom saudischen König angenommen zu haben», so Wenger. Geld, das sicherlich mit gewissen Gegenleistungen verknüpft gewesen sei.

Der Einfluss Saudi-Arabiens war bereits in den 1970er Jahren in Pakistan zu beobachten. Dort finanzierte Saudi-Arabien in den 70er Jahren Koranschulen, in denen Extremisten ausgebildet wurden, um gegen die Sowjets in Afghanistan zu kämpfen. «Schüler dieser Koranschulen formten sich später zu den Taliban, die Afghanistan in ein ultra-konservatives, frauenfeindliches Land verwandelten», sagt Wenger.

Kritik am Schweizer Bundespräsidenten

Obwohl Saudi-Arabien seine intolerante Staatsreligion gezielt und weltweit verbreitet, spricht Bundespräsident Ueli Maurer mit der schweizer Wirtschaftsdelegation auf seiner Reise bei Kronprinz Mohammed bin Salman vor. Denn, so schreibt das eidgenössische Finanzdepartement, Saudi-Arabien sei einer der bedeutendsten Zielmärkte der Schweizer Finanzdienstleister ausserhalb Europas.

«Wenn ein ausländischer Politiker nach Saudi-Arabien reist, um Geschäfte abzuschliessen, dann muss er wissen, dass immer ein Teil der Regierungsgelder und Gelder von privaten Unternehmern auch an Organisationen geht, die den Wahhabismus in die Welt tragen».

Das doch eher ernüchternde Fazit von Karin Wenger: «Überall, wo sich der wahhabitische Einfluss verbreitet hat, wurden einst tolerante Gesellschaften zerstört und intolerante geboren.»