Erdogan interveniert: Neuer Krieg im Mittelmeer

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wollte und konnte nicht länger zuschauen: Er will im Bürgerkrieg in Libyen an der Seite der westlibyschen Regierung in Tripolis gegen Ostlibyen unter General Khalifa Haftar militärisch eingreifen. Damit könnte Erdogan einen Stellvertreterkrieg wie jenen in Syrien lostreten.

Die neoosmanische Großmachtpolitik von Erdogan stößt auf heftigen Widerstand zahlreicher Staaten und spaltet das Mittelmeer in gegnerische Lager. Der ostlibysche Machthaber General Haftar hat unter anderem mächtige Unterstützer in Ägypten, den Vereingten Arabischen Emiraten und in Russland. Die besonders grausame „private“ russische Miliz „Wagner“ ist in Ostlibyen schon aktiv. So etwas kann ohne zumindest stillschweigende Zustimmung im Kreml nicht möglich sein.

Erdogans Feldzug spaltet auch Europa

Der Libyen-Feldzug Erdogans verschärft auch die Spaltung Europas in dem Bürgerkrieg. Frankreich steht auf der Seite von Haftar, Italien auf der Seite von Tripolis.

Türkisches Interesse an Erdgas im Mittelmeer

Erdogans militärisches Eingreifen soll der westlibyschen Regierung in Tripolis einen Befreiungsschlag aus der Umklammerung durch die gut ausgerüsteten Haftar-Truppen ermöglichen und danach die Eroberung von Ostlibyen. In Libyen hat die Türkei großes Interesse an den Erdöl- und Erdgasstätten.

Erdgas ist internationale „Mittelmeer-Bombe“

Mit der westlibyschen Regierung in Tripolis hat die Türkei sogar schon einen Aufteilungsvertrag über mutmaßliche Erdgaslager mitten durch das Mittelmeer abgeschlossen. Die einseitige Aufteilung des Mittelmeers stieß auf heftige Proteste bis zur EU. Griechenland hat wegen dieses Abkommens den libyschen Botschafter ausgewiesen. Die Türkei hat im Ostmittelmeer schon Testbohrungen aufgenommen und liegt deshalb im Streit mit Zypern um die Rechte am Kontinentalsockel.