Bald auch im Mittelmeer? Taucher stießen vor Küste Hawaiis auf riesigen Weißen Hai

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Sechs Meter lang und kein bisschen ungemütlich: Vor der Küste Hawaiis stießen Taucher auf einen großen weißen Hai. Der zeigte sich umgänglich und ließ sie sehr nahe an sich heran – hier sind die Fotos. Und: Wie steht es um die Haipopulation im Mittelmeer?

Das sieht man auch nicht alle Tage: Ein großer weißer Hai schwimmt mit Tauchern. Rund sechs Meter soll das vermutlich trächtige Weibchen messen. Es zeigte sich vor der Insel Oahu, Hawaii, wo weiße Haie üblicherweise selten gesichtet werden. Tigerhaie fraßen gerade an einem Pottwal-Kadaver, als es auftauchte.

Anders als mancher Horror-Schocker vermuten lässt, zeigte sich das Weibchen als „großer, schöner, sanfter Riese“ wie die Taucherin Ocean Ramsey gegenüber dem „Honolulu Star Advertiser“. Es war mehr als sechs Meter lang und rund 2,4 Meter breit – das ist selbst für große Haie ungewöhnlich, deshalb vermuten die Taucher, dass es trächtig war. Es benutzte später auch das Boot der Taucher – als Kratzbaum.

Die Haidame wurde von zwei Delfinen eskortiert, die immer wieder ihre Flossen anstupsten und um sie herumwirbelten, wie die Taucherin berichtete. In Gefahr befanden sich weder die Delfine noch die Taucher. Bei großen trächtigen älteren Weibchen sei man sicherer, erklärte Ramsey. Sie hätten schon alles gesehen – inklusive Menschen.

Haie im Mittelmeer

Sichtungen von weißen Haien im Mittelmeer werden wieder häufiger. In der Nähe der Mittelmeerinsel Cabrera vor Mallorca sichteten Meeresbiologen im Juni erstmals seit Jahrzehnten wieder ein Exemplar. „In den vergangenen Jahren gab es mögliche Sichtungen, (…) und verschiedene Gerüchte, aber das ist die erste wissenschaftliche Bestätigung für die Präsenz eines Weißen Haies in spanischen Gewässern seit 30 Jahren“, hieß es.

Weiße Haie folgen wie jeder Raubfisch ihrer Beute. Seit die Thunfischpopulation im Mittelmeer wieder zaghaft zunimmt, können auch wieder weiße Haie beobachtet werden. Seit der Öffnung des Suezkanals 1869 wandern Meeresorganismen vom Roten Meer ins Mittelmeer ein“, erklärte dazu Daniel Abed-Navandi vom Haus des Meeres in Wien. Kardinalsbarsche etwa, Meerbarben, Kugelfische und auch Haiarten wie der Großnasen- und der Seidenhai.

Der Große Weiße Hai kommt nicht aus tropischen Gefilden. Er ist schon seit Jahrtausenden im Mittelmeer beheimatet. „Seine Nahrungsquellen sind fette Tiere, wie Robben und Thunfische“, erklärt Abed-Navandi. „Noch vor 120 Jahren gab es reichlich davon.“ Angriffe auf Menschen waren keine Seltenheit, weil die Silhouette der Robben aus Haiperspektive der des Menschen ähnelt.

Die letzte Attacke wurde 1974 vor Ancona verzeichnet. 1988 nahm sich ein Sechs-Meter-Hai vor Porto Barricata ein Boot vor. Seither herrscht Ruhe, weil auch die Nahrungsquellen des größten Raubfisches der Welt im Mittelmeer fast versiegt sind. „Die Wahrscheinlichkeit, heute im Mittelmeer von einem Weißen Hai angefallen zu werden, ist viel kleiner, als im Wiener Wald von einem Wildschwein verfolgt zu werden“, schätzt Abed-Navandi.