Saudi-Arabien: Frauen dürfen Reisepässe beantragen

Eine Saudi-Araberin am Flughafen King Fahd in Dammam

 
 
 

Frauen in Saudi-Arabien brauchen für Auslandsreisen nicht länger die Erlaubnis eines männlichen Vormunds. Nach einer Gesetzesreform dürfen sie nun auch Geburten oder Hochzeiten anmelden.

In Saudi-Arabien können Frauen seit Dienstag Anträge für die Ausstellung oder Erneuerung eines Reisepasses einreichen. Dies ermöglicht es ihnen, ohne Erlaubnis eines männlichen Vormunds ins Ausland zu reisen.

Damit setzen die Behörden des Königreichs eine Reform um, die Anfang August beschlossen worden war. Den neuen Vorschriften zufolge darf jeder Bürger ab 21 Jahren unabhängig von seinem Geschlecht einen Pass beantragen.

Wie die „Saudi Gazette“ berichtet, sollen bereits am Montag innerhalb weniger Stunden Hunderte Frauen unbegleitet die Grenze zu Bahrain im Osten des Landes überschritten haben.

Die Gesetzesänderungen sehen außerdem vor, dass Frauen künftig die Geburt eines Kindes, eine Hochzeit oder eine Scheidung anmelden dürfen. Sie können auch die Vormundschaft für ein minderjähriges Kind übernehmen.

Kritiker sprechen von kosmetischen Reformen

Das saudi-arabische Vormundschaftssystem wurde international seit Langem scharf kritisiert und auch im Land selbst regte sich zuletzt zunehmend Widerstand. In den vergangenen Monaten hatten mehrere junge Frauen, die vor Bevormundung und Gewalt aus Saudi-Arabien flüchteten, weltweit für Aufsehen gesorgt.

Im Januar wurde die 18-jährige Rahaf al-Kunun auf der Flucht vor ihrer Familie in Bangkok gestoppt. Sie erhielt schließlich Asyl in Kanada. Im Februar wurde der Fall der Schwestern Reem und Rawan bekannt, die auf der Flucht vor ihrer Familie in Hongkong gestrandet waren. Sie durften schließlich in ein unbekanntes Drittland ausreisen. Im April flüchtete ein weiteres Schwesternpaar nach Georgien.