Jordaniens rote Wüste: Auf den Spuren von Lawrence von Arabien


 
 
 

Biblische Landschaft, Felsenstadt und heisser «Wüsten-Whisky»: In Jordaniens Wüste gibt es vieles zu entdecken.

Einsam, weitläufig, gottesgleich. So beschreibt Lawrence von Arabien das Wadi Rum in seinen Tagebüchern. 100 Jahre danach raubt die Schönheit der roten Wüste noch immer den Atem. Beduinen ziehen durch die magische Landschaft Jordaniens. Nicht mehr an der Seite des legendären britischen Leutnants im Kampf gegen die Osmanen, sondern als versierte Wüsten-Guides.

Willkommen in Jordanien

Reisen mit den Beduinen – das klingt nach Abenteuer. Die Royal Jordanian Airlines fliegt mich von Zürich nach Amman. Ich nehme einen Mietwagen, was sehr empfehlenswert ist. Die quirlige Hauptstadt lasse ich rechts liegen. Mein Ziel: das biblische Jordanien. Erste Etappe ist das Tote Meer. Kein Luxus-Hotel, sondern ein Mujib Chalet. Abgelegen. Direkt am Wasser. Natur pur. Ein Schlammbad, schweben im Salz, 420 Meter unter dem Meeresspiegel. Wie es einst Kleopatra liebte.

Weiter gehts, immer Richtung Süden. Entlang der Küste. Milchig weisse Ufer. Bizarre Formen aus Salz und Sandstein, an denen das Meer zu erstarren scheint. Die Strassen sind gut ausgebaut. Der Verkehr hält sich in Grenzen. Immer wieder tauchen Check Points auf. Polizisten rufen: «Welcome to Jordan!»

Petra – ein Königreich zum Staunen

Mein Abenteuer beginnt im Biosphärenreservat Dana. Über bucklige Wellen führt mich die Passstrasse durchs magische Gebirge. Vorbei an Kamel-Herden, Eseln und Ziegen, die an den wenigen verstaubten Sträuchern knabbern. Schon das wilde Wadi Dana wäre einen Aufenthalt wert. Doch ich will weiter in die sagenhafte Felsenstadt Petra.

Das nabatäische Königreich aus dem Jahr 300 v. Chr. ist Unesco-Weltkulturerbe und zählt zu den Hauptattraktionen Jordaniens. Über ein Jahrtausend schlummerte Petra im Dornröschenschlaf – bis 1812 der Basler Kaufmann Johann Ludwig Burckhardt die Felsenstadt zufällig entdeckte.

Ein 1,2 Kilometer langer Fussmarsch durch einen engen Canyon mit hohen, glatten und bauchigen Felswänden endet beim «Schatzhaus des Pharaos». Hier öffnet sich der Talkessel – und der Mund vor Staunen. Tempel. Klöster, Grabkammern, Freilichttheater. Alles in roten Stein geschlagen. Beduinen locken mit Kamel-, Pferde- und Eselritten. Sie preschen mit Kutschen über das antike Kopfsteinpflaster und machen müde Touristen wieder munter.

Beduinen-Camps schiessen wie Pilze aus dem Boden

Es geht weiter südwärts zum Wadi Rum. Ein Besucher-Zentrum bremst den Reise-Eifer. Erst einmal Eintritt zahlen. Auch in Jordanien hat alles seine Ordnung – und seinen Preis.

Beduinen führen mich fünf Stunden durch die Wüste. Auf der mit Sitzbänken bestückten Ladefläche eines alten Toyota-Pick-ups geht es zur Lawrence-Quelle, zur Felsenbrücke «Burda», vorbei an den Sieben Säulen der Weisheit und weiter rauf auf die Rote Düne, wo der Sand fast so fein scheint wie Mehl. Höhepunkt: Der Sonnenuntergang mitten in der Wüste! Unser Guide macht ein Feuerchen und serviert «Wüsten-Whisky»: heissen, süssen Tee.

Wer das Wadi Rum besucht, sollte in einem Beduinen-Camp übernachten. Sie schossen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden, sind preiswert, touristisch erschlossen – und sehr urig. Ich wähle das Arabian Nights. Jeder hat sein eigenes Zelt-Häuschen. Halb-Pension mit Berber-Küche inklusive. Ein unvergessliches Erlebnis!

Taucher-Paradies Aqaba

Es geht weiter auf Lawrences Spuren. Mein letztes Ziel ist Aqaba. Hier befreite der Brite und sein Beduinen-Heer die Hafenstadt von den Türken. Heute ist Jordaniens einziger Zugang zum Roten Meer ein Taucher-Paradies. Ich gönne mir ein Touri-Programm wie aus dem Katalog: Luxus-Hotel, Wellness, Schlemmerbuffet, Korallenfische-Schauen im Glasboden-Boot. Adieu Lawrence von Arabien!

Gut zu wissen

Anreise: Royal Jordanian bietet Direktflüge von Zürich nach Amman. Kostengünstiger ist Ryanair. Die Linie fliegt von Mailand Bergamo ab.

Unterkünfte: Beduinen-Camps werden immer beliebter. Die meisten sind auch auf Booking.com buchbar. Meine Tipps: Das Dana Eco Camp im Dana Biosphärenreservat, Seven Wonder Bedouin Camp in Little Petra und Arabian Nights im Wadi Rum.

Aktivitäten: Für Naturliebhaber bieten sich geführte Wanderungen und Ausflüge im Jeep an. Gute Infos liefern Flashpacker Travelguide und Visit Jordan.

Souvenirs: Beduinen-Tücher, duftende Kräutermischungen für den «Wüsten-Whisky» oder eine Handvoll roten Sand aus dem Wadi Rum sind meine Favoriten.