Im Oman ist vieles ganz anders als erwartet

Muttrah, Oman - December 22, 2007: Omani people at Al Dhalam Souq in Muttrah, Oman. It's one of the oldest marketplaces in the Arab world, being strategically located on the way to India and China.

 
 
 

Bei ihrer Reise in den Oman war unsere Redaktorin überrascht, wie sehr sich das Sultanat von seinen Nachbarländern unterscheidet.

Waren Sie schon mal auf einem arabischen Souk? Das ist ein kommerzielles Viertel oder ein Markt, der sich aus lauter kleinen Geschäften zusammensetzt und in jeder grösseren arabischen Stadt zu finden ist.

Auf den Souks, die ich bisher besucht habe, wuselte es nur so vor Menschen und es war im Normalfall ziemlich laut. Dies, weil die Ladenbesitzer meist vor ihren Geschäften standen, um den vorbeilaufenden Leuten mit kräftiger Stimme ihre Ware anzupreisen.

Auf dem Mutrah Souk in Muscat, der Hauptstadt des Oman, ist es hingegen fast schon gespenstisch ruhig. Die Ladenbesitzer lächeln entweder nur oder grüssen schüchtern, lassen uns sonst aber unbehelligt ihre Ware bestaunen.

Polizistinnen bekommen mehr Lohn – für Kosmetikprodukte

Im Auto auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit versuche ich diese Erfahrung in Gedanken einzuordnen, horche aber auf, als unser Guide auf Sultan Qabus, das Staatsoberhaupt, und dessen Einfluss auf die Entwicklung des Oman zu sprechen kommt.

«Unser Herrscher garantiert dafür, dass jeder Omani nach der Ausbildung einen Job bekommt.» Bei Einstellung liege der Lohn bei umgerechnet 2000 Franken, dazu komme, dass es in der Regel jedes Jahr eine Lohnerhöhung von zehn Prozent gebe, erzählt er weiter. «Ausserdem schenkt der Sultan jedem zum 21. Geburtstag ein Haus.»

Das macht mich erst mal baff. Zumindest erklärt sich so jedoch die entspannte Haltung der Verkäufer auf dem Markt, die sich offensichtlich keine Sorgen um ihre Lebenshaltungskosten machen müssen. Ich will es jedoch noch ein bisschen genauer wissen.

Wie zum Beispiel die Gesundheits- und Altersvorsorge geregelt ist. «Dafür werden vom Lohn pauschal 20 Prozent abgezogen. So ist es möglich, dass wir noch 80 Prozent von unserem letzten Einkommen erhalten, wenn wir mit 60 in Rente gehen.» Mit 60 pensioniert? Das würde mir auch gefallen, denke ich.

Meine Frage, ob Männer und Frauen den gleichen Lohn bekämen, scheint ihn zu irritieren: «Natürlich. Nur Polizistinnen verdienen ungefähr 300 Franken extra im Monat – für Kosmetikprodukte. Schliesslich ist es ihre Pflicht, gepflegt zur Arbeit zu erscheinen», ist seine unerwartete Antwort.

Frauen haben die Nase vorn bei den Uni-Abschlüssen

Später auf unserer Reise treffen wir Maitha Saif Majid Al Mahrouqi, die Tourismusministerin des Sultanats. Sie hat in Oxford studiert, ist Mutter eines Sohnes und bestätigt, was unser Betreuer antönte: Die Stellung der Frau ist im Oman eine andere als in den Nachbarländern.

Auch das verdanken die Omanis offenbar ihrem fortschrittlichen Herrscher: «Der Sultan möchte, dass auch die Frauen sich bilden und arbeiten, damit sie unser Land bei der positiven Entwicklung unterstützen können», erzählt Al Mahrouqi. Inzwischen sei es deshalb sogar so, dass mehr Frauen einen Universitätsabschluss hätten als Männer.

Damit sie sich nicht zwischen Karriere und Familie entscheiden müssten, habe Sultan Qabus helfende Regeln eingeführt. Die Arbeitszeiten für Mütter seien zum Beispiel so angelegt, dass sie pünktlich zu Hause sein könnten, wenn die Kinder am Nachmittag von der Schule nach Hause kommen würden.

Touristinnen können sich problemlos im Land bewegen

Der Oman sei aber nicht nur gut zu den Frauen, die im Land lebten. Auch weibliche Reisende könnten sich problemlos in ihrem Land bewegen, sagt die Ministerin. Tatsächlich fühle auch ich mich auf unserer Reise zu keinem Zeitpunkt unsicher und werde auch nie komisch angeschaut.

Als ich später unseren Guide auf die Zurückhaltung seiner Landsmänner anspreche, sagt er: «Selbst wenn sie wollten, würden sich die Männer hier nicht trauen, eine Fremde anzusprechen oder gar anzufassen.» Eine Frau könne einen Mann anzeigen, wenn er sie nur anzüglich anschaue, erklärt er, und fügt an: «Für uns Omani-Männer ist es immer ein Risiko, einer Frau den Hof zu machen. Sie muss also schon etwas Besonderes sein.»